Das Projekt

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie befinden sich in Quarantäne und bekommen in dieser Zeit eine Nierenentzündung. Nun muss schnell gehandelt werden: Der Arzt sagt Ihnen in einer Telekonsultation, dass Sie dringend Antibiotika benötigen. Doch wie kommen Sie schnell und kontaktfrei an Ihr Medikament? Sie dürfen das Haus derzeit nicht verlassen und auch sonst ist im Moment keiner da, der Ihnen das Medikament besorgen kann. Nun stellen Sie sich dieses Szenario in ländlichen Regionen vor, in denen die nächste Apotheke Kilometer entfernt ist. Hier könnte, mit einer App begleitet, eine Medikamentenlieferung per Drohne Abhilfe schaffen.  Genau das Das wird aktuell mit dem neuen Forschungsprojekt „ADApp“ erprobt und evaluiert. ADApp steht für Apotheken-Drohnen-App.

Im Projekt ADApp arbeiten Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft an der Entwicklung zusammen. Ziel ist die Entwicklung einer Apotheken-Drohnen-App und die Einbindung eines Drohnenflugsystems, das jede Apotheke nutzen kann und das die Medikamente direkt und kontaktfrei an die Haustür liefert.

Koordiniert wird das ADApp Projekt von der Apotheke am Bauhaus in Dessau-Roßlau als zentraler Nutzer der Lösung. Das Unternehmen DiAvEn aus Berlin entwickelt die Hard- und Software für die Drohne. Die Hochschule Anhalt bearbeitet die logistischen Prozesse des Drohnentransportes. Erste Tests werden auf dem DLR-Drohnenzentrum in Cochstedt (Salzlandkreis) durchgeführt. Der IT-Dienstleister brain-SCC GmbH aus Merseburg ist verantwortlich für die Entwicklung der App, mit der medizinische Einrichtungen oder Patientinnen und Patienten die Medikamente bestellen und die Drohnenlieferung steuern. Außerdem werden von dem Unternehmen Schnittstellen zum elektronischen Rezept (e-Rezept), der Drohne und dem Warenwirtschaftssystem der Apotheke entwickelt, damit der gesamte Prozess digital durchgeführt werden kann. Hierbei spielt die Einbindung in die technische Infrastruktur der Gematik eine besondere Rolle.  Die AG Versorgungsforschung / Pflege im Krankenhaus der Universitätsmedizin Halle übernimmt die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung zur Absicherung dieser nutzerorientierten Umsetzung der Mensch-Drohnen-Interaktion.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „WIR! - Wandel durch Innovation in der Region“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aus der COVID-Fasttrack-Förderrunde 2020 der „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung“ (TDG) gefördert.

Das ADApp Projekt startete am 01.02.2021 und hat eine Laufzeit von 2 Jahren. Die inhaltlichen Aktivitäten sind auf 4 Arbeitspakete verteilt. 

 

AP1: Analyse der Anforderungen

In AP1 werden die funktionalen, nicht-funktionalen und technischen Anforderungen an die Apotheken-App identifiziert. Hierbei sollen die Sichtweisen aller am Prozess beteiligten Stakeholder berücksichtigt werden. Auf Basis einer umfangreichen Literaturrecherche erfolgt die Erarbeitung des vollständigen Prozessflusses der informationstechnischen, kaufmännischen, rechtlichen und logistischen Abläufe. Mit Hilfe von Fokusgruppen und Experteninterviews sowie Workshops mit den Endanwendern werden konkrete Szenarien entwickelt und User Stories aufgenommen, um die gewünschte Funktionalität des Demonstrators auszuarbeiten. Parallel dazu werden eine Datenschutzanalyse durchgeführt und ein Datenschutzkonzept entwickelt. 

 

AP2: Nutzerschnittstelle und Vermittlung

Auf Basis der Ergebnisse in AP1 werden die Komponenten für die Systeminteraktion konzeptioniert. Anschließend erfolgt die Entwicklung der Kommunikationskomponenten zwischen der Drohne und der App. Die App wird dabei als mobile webbasierte Anwendung gestaltet. Abschließend werden die Vermittlungskomponenten und der Matching-Algorithmus entwickelt. 

 

AP3: Backendentwicklung und Systemintegration

In AP3 werden die entwickelten Komponenten in einem System zusammengefasst und die Anwendungsstruktur aufgebaut. Zudem erfolgt die technische Umsetzung sowie mehrfache Testung der Schnittstellen zwischen der Drohne, dem e-Rezept und dem Warenwirtschaftssystem der Apotheke. Gleichzeitig wird die Strategie für die Zulassung des Drohnenflugbetriebes erarbeitet. 

 

AP4: Testen und Evaluierung mit den Zielgruppen

In AP4 wird die Gesamtlösung in einem ersten Schritt unter Realbedingungen im DRL Drohnenzentrum in Cochstedt getestet. Zur Unterstützung einer betriebswirtschaftlich nachhaltigen Nutzung nach dem Ende des Projektes erfolgt eine Wirtschaftlichkeitsanalyse. Am Ende des technisch-wirtschaftlichen Arbeitspaketes soll die generelle Durchführbarkeit in der ausgewählten Modellregion ausgiebig untere realen Bedingungen als echtes Anwender Case getestet und behördlich unterstützend begleitet werden.